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Bildatlas der spätantiken Kleidung

Ein Projekt der Abteilung Christliche Archäologie Bonn in Kooperation mit der Abteilung Alte Geschichte Bonn (Prof. Dr. K. Vössing), sowie der Abteilung Christliche Archäologie der Universität Göttingen (Prof. Dr. A. Arbeiter)

  Ansprechpartner

Prof. Dr. Sabine Schrenk und Prof. Dr. Konrad Vössing

 

Gegenüber früheren Epochen ändert sich während der Spätantike in der Kleidung Vieles: Zunächst vereinzelt auftretende Kleidungsstücke beginnen sich in verschiedenen Kontexten durchzusetzen (z. B. Hosen, Dalmatika), traditionelle Gewänder ändern ihre Funktion, zum Teil auch ihre Form (z. B. Pallium, Stola) und kennzeichnen damit einen Bedeutungswandel, der auf verschiedenen Ebenen mit spätantiken Transformationen verbunden ist. Auch entsteht aus der römischen Alltagskleidung ein christlicher Ornat, wie er z. T. heute noch getragen wird. Bisher sind die spätantike Kleidung und ihre Entwicklung nicht in einem Überblickswerk behandelt worden. In einer Kooperation zwischen der Christlichen Archäologie in Göttingen (Prof. Dr. Achim Arbeiter) und der Bonner Alten Geschichte (Prof. Dr. Konrad Vössing) und Christlichen Archäologie (Prof. Dr. Sabine Schrenk) wird nun zu diesem Thema ein Bildatlas erstellt. Seine Ergebnisse werden auch in die Arbeit des multinationalen EU-Projektes „DressID“ einfließen.

 

 Apollianaris Bild u. Umzeichnung

Links: Heiliger Apollinaris, Apsismosaik San Apollinare in Classe, um 550 n. Chr., Pallium über Paenula. Rechts: Heiliger Apollinaris Umzeichnung (Anna Grossmann) für das Stichwort 'Pallium'.


CD und Buch

Die interaktive CD des Bildatlasses bietet eine lexikalische Zusammenstellung aller Kleidungstücke, die auf Bildwerken oder als Original identifiziert werden können. Über ein Glossar gelangt man schnell zu den einzelnen Begriffen und spätantiken Darstellungen der verschiedenen Gewänder. Farbwechsel, hervorgerufen durch die Bewegung der Computer-Maus, machen das gesuchte Element leicht erkennbar. Das zugehörige Buch führt neben den Definitionen vor allem Belege aus der spätantiken Literatur auf. Zeichnungen aller Kleidungsstücke (von Anna Großmann) ermöglichen ggf. zusätzliche Erklärungen zur Grundform und zur Drapierung.

 

Tunika Katoen Natie

Spätrömische Kinder-Tunika aus Wolle. Katoen Natie, Antwerpen, Inv. Nr.: 768-01 (DM113 d). 14C-Datierung (2σ): 316-560 (88,6%), 257-302 (6,8%) n. Chr.

 


Synthese aus Schrift- und Bildquellen

Ohne die – wenn auch oft beiläufigen – Nennungen in den Schriftquellen wären viele Gewänder nicht zu identifizieren und vor allem ihre Veränderungen nicht zu verstehen. Drastisch ist beispielsweise die Veränderung in Form und Funktion beim sog. Pallium: vom üblichen römischen Manteltuch zum liturgischen „Schal“. Aber welchen genauen Weg hat der Bedeutungswandel hier genommen? Die Dalmatika hingegen bleibt in der Form unverändert und kennzeichnet dennoch vom 4. Jh. an sowohl die reiche Frau im Diesseits und im sepulkralen Zusammenhang als auch kirchliche Würdenträger. Die originale Dalmatika in London kann mangels archäologischen Kontextes keiner Funktion zugewiesen werden.


Abbildungsnachweise

Foto S. Apollinare: A. Grabar, Die Kunst im Zeitalter Justinians (München 1967) Abb. 151

Foto Kinder-Tunika: A. De Moor, 3500 years of textile art (Tielt 2008) 161

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