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Datenbank für 14C- und historisch datierte Textilien

Ein Projekt der Abteilung Christliche Archäologie Bonn in Zusammenarbeit mit Mark van Strydonck vom Institut Royal du Patrimoine Artistique in Brüssel und Antoine de Moor (Katoen Natie, Antwerpen) 

 

Ansprechpartner/Kontakt

 Prof. Dr. Sabine Schrenk, Stefanie Archut B.A.: [Email protection active, please enable JavaScript.]


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Startseite www.textile-dates.uni-bonn.de im neuen Layout

(Stand Januar 2017).


In welch fantastischem Erhaltungszustand und in welch enormer Menge Textilien des 2.-8. Jh. n. Chr. überdauerten, ist nicht allseits bekannt. Dass viele dieser Gewebe mittlerweile verlässlich datiert sind – dank der Radiokarbonanalyse – weiß kaum jemand. Hier schafft seit kurzem die Website www.textile-dates.uni-bonn.de mit ihrer Online-Datenbank Abhilfe. Sie wurde in Zusammenarbeit mit Mark van Strydonck vom Institut Royal du Patrimoine Artistique in Brüssel von der Abteilung Christliche Archäologie der Universität Bonn entwickelt (webdesign F. Prante / M. Krell).

www.textile-dates.uni-bonn.de stellt sowohl ältere als auch jüngste Analyseergebnisse zusammen. Die eigentliche Datenbank ist breit gefasst und bietet alle wesentlichen Informationen zum Objekt (Analyseergebnis, Material, Webart, Fundort u.v.m). Seit 2016 sind außerdem ausgewählte Textilien mit farbigen Abbildungen vertreten. Das soll – bei einer guten „Fütterung“ der Datenbank – dazu beitragen, das datierte Gewebe sogleich in übergreifende Fragestellungen einzubinden, beispielsweise: Wie viele Seidengewebe aus der Zeit vor der arabischen Eroberung wurden in Mittelägypten gefunden? Oder: Gibt es neuartige Gewebebindungen unter merowingerzeitlichen Textilfunden? Mit dem Online-Formular können neue Ergebnisse leicht an textile-dates übermittelt werden.

 

Grundstein für sinnvolle 14C-Analysen: Gruppendatierungen

Ist das datierte Werk typisch für seine Zeit oder bspw. ein Nachzügler? Diese Überlegung zeigt, dass die 14C-Datierung eines Einzelstückes kein großer Gewinn ist, denn sein Ergebnis kann nicht einfach auf verwandte Stücke übertragen werden. Aufschlussreich sind Analysen von Gruppen, die z. B. auf Grund ikonographischer oder technischer Gemeinsamkeiten existieren. Ihre Datierung kann ein chronologisches Gerüst liefern, das Aufschluss über die Laufzeit der Gruppe bzw. der gruppenrelevanten Erscheinungen gibt.

So hat etwa die Radiokarbon-Analyse von 12 verwandten Tuniken aus der Sammlung Katoen Natie in Antwerpen zu der Erkenntnis geführt, dass ihr Typ zwischen 450 und 650 n. Chr. zu datieren ist – ca. 400 Jahre früher, als angenommen. Auch eine Gruppe von Wandbehängen mit sehr komplexer Ikonographie wurde mindestens 200 Jahre früher hergestellt als bisher vermutet.

 

Inv. 2439 Kat. 7

Eindrückliches Beispiel für die Wandbehänge ist der sog. Eliasbehang (Riggisberg, Abegg-Stiftung, Inv.Nr. 2439). 14C-Datierung (2σ): 381-570 (94,1%), 352-367 (1,3%) n. Chr.


Je stilisierter desto jünger?

Darüber hinaus lehrt die Untersuchung, dass die Vorstellung einer linearen Stilentwicklung für die Spätantike zu revidieren ist: Verschiedene Stilrichtungen können gleichzeitig existiert haben. Auch die große Gruppe der „Säulensteherbehänge“, von der erst zwei Exemplare datiert wurden, weist mit fast 100 Jahren gleichzeitiger Entstehungsmöglichkeit in diese Richtung.

Durch Analysen weiterer Vertreter dieser Gruppe könnte die statistisch notwendige Basis für verlässliche Aussagen zur Hauptzeit dieser Behänge erzielt und damit eine Datierung auch auf andere Exemplare übertragen werden.

 

Inv. 141 Kat. 12

Säulensteherbehänge in der Abegg-Stiftung in Riggisberg. Inv. Nr. 141, 14C-Datierungen (2σ): 433-638 n. Chr.


Inv. 816a Kat. 13

Säulensteherbehänge in der Abegg-Stiftung in Riggisberg. Inv. Nr. 816a: 343-542 n. Chr.

 

Abbildungsnachweise

Eliasbehang: S. Schrenk, Textilien des Mittelmeerraumes aus spätantik bis frühislamischer Zeit (Riggisberg 2004) Kat.Nr. 7

Säulensteherbehang der Abegg-Stiftung (Inv.Nr. 141): Ebenda Kat.Nr. 12

Fragment mit Flötenspieler auf einer Säule der Abegg-Stiftung (Inv.Nr. 816a): Ebenda Kat.Nr. 13

 

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