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Folgekampagne 2019

Die Folgekampagne 2019

Die Abteilung Christliche Archäologie der Universität Bonn konnte dank der erneuten Fananzierung der Gerda Henkel Stiftung im Frühjahr 2019 eine Folgekampagne in Elusa (Negev) durchführen. Das Projekt stand weiterhin unter der Leitung von Prof. Dr. Sabine Schrenk. Die Grabungsleitung hatte Florian Michael Jordan M.A. inne. Eine Kooperation mit dem Archäologischen Institut der Universität zu Köln sowie der Israel Antiquities Authority unter den handelnden Personen wurde fortgesetzt.

            
                           Abb. 1: Das Areal von Basilika B mit Lage der Grabungsschnitte                                  Abb. 2: Drohnenfoto der beiden Sondagen 19
                           aus 2018 und 2019 © Christian Schöne, Universität Köln.                                   und 20 © Florian Jordan, Uni Bonn.

 

Ziel des Projektes war es auch in diesem Jahr, einem besseren Verständnis der sakralen Topographie des frühbyzantinischen Elusa näher zu kommen. Durch positive Ergebnisse beider Kampagnen im Bereich von Basilika B kann diese Kirche nun in ihrem Bautypus bestimmt werden. Außerdem können Aussagen über Umfang und Untersuchungszeitraum zukünftiger Ausgrabungen und die weitere Vorgehensweise bei den noch zu untersuchenden Sakralbauten getroffen werden.

Die Sondagen 19 und 20

Für die zweite Kampagne wurden wiederum zwei Grabungsschnitte geöffnet (So 19 und 20). Der größere Schnitt von beiden, Sondage 19, befindet sich im Bereich des südlichen Apsisnebenraumes nahe der Sondage 13 des letzten Jahres und umfasste  zu Beginn eine Fläche von 10 x 3 m. Die etwas kleinere Sondage 20 mit der Größe von 4 x 3 m liegt hingegen am nordöstlichen Ende der Kirche (nahe Sondage 14 von 2018). Im Verlauf der Kampagne wurde So 19 zunächst nach Nordwesten um weitere 1,5 m verbreitert und schließlich um einen weiteren Meter verlängert, so dass die Gesamtmaße bei 4,5 x 11 m lagen.

   
Abb. 3-5: Das Grabungsteam bei der Arbeit: Abtiefen des Planums (Abb. 3), zeichnerische Dokumentantion (Abb. 4) und Sortieren der Funde in den Fundeimern (Abb. 5).
 

In beiden Sondagen wurde unter einer dünnen Schicht aus Humus eine etwa einen Meter mächtige Versturzschicht angetroffen. Sie bestand vor allem aus Steinmaterial, Architekturfragmenten, wenigen Marmorresten sowie Stein- und Glastesserae. Es ist anzunehmen, dass dieser Versturz von den Außenmauern und der Mauer zwischen Nebenraum und Seitenschiff stammt. Lediglich das Synthronon, die halbrund gestufte Priesterbank, von der schon im letzten Jahr Teile angeschnitten worden waren, und die Nordostmauer wurden in So 19 schon bald unter dem Oberboden angetroffen.

   
Abb. 6-8: Das Grabungsteam bei der Arbeit: Vermessen der Sondage mit der Totalstation (Abb. 6), Sieben des Erdmaterials (Abb. 7) und Vorbereiten der fotographischen Dokumentation mit Fototafel, Maßstab und Nordpfeil (Abb. 8).
 

Ebenfalls in beiden Sondagen wurden Außenmauern der Kirche dokumentiert. Die nordöstliche Längsmauer der Kirche hatte in beiden Schnitten eine Breite von ca. 82 cm, die nordwestliche Quermauer in So 20 ist ca. 20 cm schmaler. Beide Mauern binden ineinander ein. In So 20 wurde der Estrich des Seitenschiffes (wie schon in So 14) entdeckt, auf dem der Fußbodenplatten aus Marmor auflagen. Die Abdrücke der Platten waren noch teilweise zu rekonstruieren. Außerhalb der NO-Mauer wurde der Teil eines Annexraumes aufgeschlossen, dessen Boden mit großen steinplatten ausgelegt war. Nordwestlich der Außenmauer trafen wir einen sehr gut erhaltenen Steinplattenboden an. Höchstwahrscheinlich gehörte er zu einem der Kirche vorgelagerten Atrium.

 
 Abb. 9 und 10: Drohnenfotos der Sondagen mit den jeweiligen Befunden: So 19 (Abb. 9) und So 20 (Abb. 10)
 

 In So 19 stießen wir außerhalb der nordöstlichen Längsmauer von Basilika Bauf eine spätere Mauer und unter dieser auf ein Straßenpflaster. Darunter waren weitere Straßenschichten erhalten, ebenso im Fundamentbereich der Basilika-Außenmauer. Diese Straßenschichten haben für die Rekonstruktion der Basilika große Bedeutung: Sie ermöglichen den Schluss, dass die Kirche nicht noch breiter warund also nur drei Schiffe besaß. Wie schon in der letztjährigen Sondage 13 wurde außerdem aus den Straßenschichten Keramik geborgen. Die Datierung kann jedoch aufgrund fehlender diagnostischer Stücke nicht feiner als mit "byzantinisch" (4.-7. Jh. n. Chr.) angegeben werden. Außerdem konnten in Sondage 19 weitere Teile der im letzten Jahr entdeckten Apsis und des Synthronons freigelegt werden.

   
Abb. 11-13: Die Befunde innerhalb von Sondage 19: Bereich nordöstlich der Außenmauer (Abb. 11), die Straßenschichten unter dem Pflaster (Abb. 12) und das teilweise verschüttete Synthronon (Bildmitte) mit links anschließender Apsismauer (Abb. 13).
 

Der Großteil der Funde stammt, wie schon 2018, aus den Versturzschichten. Neben sehr vielen Architekturfragmenten (Kapitellen, Basen und Säulentrommeln) aus lokalem Sandstein kamen Marmorreste von Bodenplatten und Wandverkleidung sowie möglicherweise der Rest einer Türverkleidung aus prokonnesischem Marmor zutage. Es wurden ebenfalls Stein- und Glastesserae aber auch andere Glasfragmente wie z.B. Fensterglas gefunden.

   

 

Abb. 14-18: Das Fundmaterial: kleine Glastesserae in großer Farbvielfalt (Abb. 14), größere Steintesserae (Abb. 15), verschiedene Stücke Fensterglas (Abb. 16), Teil eines Kapitells aus lokalem Sandstein aus Sondage 20 (Abb. 17) sowie eine Base und ein Säulenfragment aus lokalem Sandstein (Abb. 17).

 

Das Grabungsteam 2019

 

 

Hintere Reihe: Mathis Laux, Sarah Fahldieck, Ellen Igelmund und Ferdinand Wulfmeier;
vorn: Florian Jordan und Stefanie Archut (von links nach rechts)

 

 

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